Das Clara-Schumann-Gymnasium ist heute eine Schule, in der Jungen und Mädchen gemeinsam lernen und leben.

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Das sah zu Beginn des Jahrhunderts noch ganz anders aus. Mädchen hatten damals große Schwierigkeiten, eine den Jungen gleichwertige Schulausbildung zu erhalten, Abitur zu machen und auch zu studieren. Insofern muss man den Bonner Stadtvätern dankbar sein, dass schon 1915 das Gebäude an der Loestraße seine Tore ausschließlich für Schülerinnen öffnete. In diesem Gebäude, dessen Architektur sich durch die Atmosphäre wohltuend von den Schulbauten der Nachkriegszeit abhebt, arbeiten und unterrichten wir noch heute.

 

Die Schülerinnen der Anfangsjahre stehen unter hohem Erwartungsdruck: Sie müssen erst beweisen, dass sie mit Jungen intellektuell gleichziehen können, also auch Mathematik und Physik, Latein und Griechisch lernen können, dass sie gesundheitlich nicht überfordert werden und dass sie trotzdem noch Zeit behalten für häusliche Tätigkeiten.

 

Trotzdem beginnt sozusagen aus dem Stand für die Mädchenbildung in Bonn eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die auch durch die Restriktionen in der Zeit des Nationalsozialismus nicht abzubremsen ist.

 

1945, als die Schule nach kriegsbedingter Schließung wieder geöffnet wird, erhält sie ein der Zeit entsprechendes alt- und neusprachliches Profil und endlich einen unverwechselbaren Namen: Clara Schumann ist eine Patronin, die bis heute noch ein bestimmtes Programm bedeutet.

 

20 Jahre später wird in der bildungspolitischen Diskussion der Zeit klar, dass Mädchen keinen Schonraum mehr brauchen, sondern inzwischen souverän und eigenständig sind: Koedukation heißt das neue Zauberwort, hinter dem sich die Vorstellung vom selbstverständlichen Umgang der Geschlechter miteinander, von unverkrampfter Zusammenarbeit verbirgt. 1973 halten auch am Clara-Schumann-Gymnasium die ersten Jungen Einzug. Anfängliche Widerstände erweisen sich schnell als unangemessen. Das gemeinsame Leben und Lernen wird zur Selbstverständlichkeit und setzt Impulse frei, die neben dem intellektuellen Lernen der Persönlichkeitsbildung dienen.

 

Bei aller Komplexität der gegenwärtigen Probleme hoffen wir, dass Schülerinnen und Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums in der Lage sein werden, für ihre Zukunft eigenständige Lösungen zu finden und zielbezogen zu handeln.

 

Zeitleiste

1898 Der Gewerbe-Verein verabschiedet eine Resolution an den Stadtrat der Stadt Bonn, eine städtische Mädchenschule zu errichten - der Stadtrat lehnt dies ab

5.2.1909 Die Stadtverordnetenversammlung setzt eine Kommission ein, die die Errichtung einer höheren Mädchenschule mit Studienanstalt und Lyzeum prüfen und vorbereiten soll.

2.2.1912 Die Stadtverordnetenversammlung beschließt auf Vorschlag der
1909 eingesetzten Kommission die Errichtung einer städtischen höheren Mädchenschule.

Schuljahr 1912/13 Nach der Genehmigung durch das Königliche Provinzial-Schulkollegium (29.3.1912) wird das Städtische Lyzeum eröffnet, das zunächst im Gebäude der Remigiusschule untergebracht wird. Eingerichtet werden zunächst die Klassen X und VII mit insgesamt 34 Schülerinnen (8 evgl., 22 kath., 4 jüd.)

Schuljahr 1913/14 Das städtische Lyzeum hat vier Klassen (X, IX, VII, VI) mit 74 Schülerinnen (37 evgl., 30 kath., 7 jüd.).

Schuljahr 1914/15 Nach Schließung der privaten "Schubringschen Anstalt" muss das Lyzeum kurzfristig auf die zehn Klassen X bis I erweitert werden. Der Unterricht findet z. T. in der Remigiusschule, z. T. im Haus Coblenzerstraße 90 (heute Adenauerallee), der Turn- und Naturwissenschaftliche Unterricht im Königlichen Gymnasium (heute Beethovengymnasium) und in der Städtischen Realschule (heute EMA) statt.

22.4.1914 Feierliche Eröffnung des nun zehnklassigen Lyzeums

Ostern 1915 Die bislang private Studienanstalt wird aufgrund eines Ministerialerlasses mit dem Lyzeum vereinigt.

 

1913-1915 Errichtung des Schulgebäudes in der Loëstraße,das Ostern 1915 teilweise bezogen wird; der nachträglich geplante westliche Teil wird bis Herbst 1915 fertiggestellt.

1944/45 Kriegsbedingt fällt der Schulunterricht aus.

Dez. 1944 Die Schule wird durch vier Sprengbomben leicht beschädigt.

Sommer 1945 Amerikanische Besatzungstruppen nutzen das Schulgebäude.

Herbst 1945 Wiederbeginn des Unterrichts; Benennung der Schule als "Clara Schumann-Schule"

1949 Beginn des Austauschs mit der Croydon High School

1973 Einführung der Koedukation

1979 Beginn des Austauschs mit der High School „Iruni Daled“ in Tel Aviv

2012 Beginn des Austauschs mit dem Collège Jacques MONOD in Caen/Normandie